Chronik

Die Workcamp-Idee: Wie alles begann
Als Begründer der Workcamp-Idee gilt der Schweizer Pierre Cérésole, der 1920 den Service Civil International (SCI) ins Leben rief. Im Winter 1920/21 fand das erste internationale Workcamp, damals als Aufbaulager bezeichnet, in dem Dorf Esnes bei Verdun mit 8 Teilnehmenden statt. Das Dorf war noch einige Jahre zuvor das größte Kampfgebiet des 1. Weltkrieges gewesen.

Ähnlich wie beim Service Civil International entstand die Idee der ökumenischen Workcamps aus einer Nachkriegssituation heraus (2. Weltkrieg). Jugendarbeit nach 1945 war schwierig und fand in den ökumenischen Workcamps eine besondere Ausprägung. Bewusst ökumenisch ausgerichtet waren diese internationalen Workcamps ein Angebot, in dem junge Menschen sich durch gemeinsame Arbeit und Andacht, durch gemeinschaftliches Bibelstudium und durch soziale und politische Diskussionen einander näher kommen konnten.

Die Ziele aller Organisationen, die in Bereich der internationalen Jugendarbeit tätig waren bzw. sind, können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Pädagogische Ziele: persönliche Entwicklung der Teilnehmenden, Umgang und Zusammenleben mit Fremden und Förderung von Selbstverantwortung und sozialem Engagement
  • Politische Ziele: Förderung der Völkerverständigung und Versöhnung
  • Sozialethisches Ziel: Förderung des Bewusstseins zu umfassender Verantwortung und dem Willen zu gegenseitiger Hilfe
  • Frieden als Ziel: Förderung des Weltfriedens, dadurch dass sich Nationen gegenseitig achten, Völker untereinander Solidarität üben und alle Menschen für ein gemeinsames Vorankommen zusammenarbeiten

Weitere allgemeine Informationen finden sich in der Broschüre zur Geschichte “100 Jahre Workcamps”


Zeittafel der Ökumenischen Jugenddienste:

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich die Aufbaulager-Bewegung (heute als Workcamp bezeichnet) in allen Gebieten der Welt. Mit Unterstützung der UNESCO entstand 1945 das Coordinating Comittee for International Voluntary Service (CCIVS) in Paris.
Die Entstehung der Ökumenischen Aufbaulager/Workcamps stand in Zusammenhang mit der Jugendabteilung des sich damals noch im Aufbau befindenden Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK).
Jahreszahlen in ROT: Ereignisse in der DDR
Jahreszahlen in SCHWARZ: Ereignisse auf Europäisch-Ökumenischer Ebene
Jahreszahlen in GRÜN: Ereignisse nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten
1946 Offizielle Bildung einer Kirchlichen Jugendkammer in der DDR durch die 4. Kirchliche Ostkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – Berliner Stelle
1947 Jugendabteilung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) veranstaltet 1. Europäische Jugendplanungskonferenz bei Genf und übernimmt die Schirmherrschaft für das 1. Ökumenische Internationale Aufbaulager in Frankreich.
1949 veranstaltet die Jugendabteilung des ÖRK bereits 16 Ökumenische internationale Aufbaulager in Europa und Asien.
1954 Die Gossner Mission in der DDR sucht nach neuen Konzepten für ihre Arbeit und greift die Idee der Ökumenischen Aufbaulager auf. Ein Mitarbeiter der Gossner Mission (Dietrich Gutsch) sammelt Erfahrungen als Leiter eines Ökumenischen Aufbaulagers in Mainz.
1955 Die Gossner Mission in der DDR führt im Sommer das 1. Aufbaulager in Berlin-Karlshorst an der Kirche “Zur Frohen Botschaft” durch.
1956 1. Ökumenisch-internationales Aufbaulager in der DDR, organisiert von der Gossner Mission und dem Jugendreferat des Ökumenischen Rates der Kirchen und dem Nationalen Aufbauwerk.
1957 Die Evangelische Jugendkammer-Ost übernimmt die Aufbaulager als Fachgebiet. Der “Ökumenische Arbeitskreis der Evangelischen Jugend in der DDR” wird gegründet. Parallel zu dem Arbeitskreis bilden sich Regionalkreise innerhalb der DDR, BRD, den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien.
1958 Beginn der jährlichen Osterkonferenz von jungen Menschen aus Ost- und Westeuropa, vorbereitet durch die Regionalkreise verschiedener Länder.
1967 Wegen erweiterter Aktivitäten und Aufgaben findet eine Umbenennung von „Ökumenische Aufbaulager“ in „Ökumenische Jugenddienste“ statt.
Die Jugendkammer-Ost errichtet wegen der erweiterten Aufbaulager-Arbeit ein Ökumenisches Referat mit einer dazugehörigen Dienststelle: “Ökumenischer Jugenddienst” ein. Leiter des Jugenddienstes ist Dietrich Gutsch bis 1981.
Der Ökumenische Jugenddienst übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben zur Förderung der Ökumene im nationalen und internationalen Rahmen. Es gibt folgende Arbeitsbereiche:
  • Ökumenische Jugenddienste (Workcamps): Die internationalen Workcamps stellen bei der Dienststelle “Ökumenischer Jugenddienst” den Ausgangspunkt und Kernbereich dar. Pro Jahr werden 8-10 Camps mit ca. 120 – 150 Teilnehmenden durchgeführt. Ungefähr 30 – 50% der Teilnehmer*innen kommen nicht aus der DDR.
  • Internationale Beziehungen
  • Die INFORMATION (Zeitschrift)
  • Konferenzen und Seminare

Bis 1968 trägt die Jugendabteilung des ÖRK die Verantwortung für die Beziehungen zur Jugendarbeit der europäischen Kirchen, für Konferenzen und das Programm der Ökumenischen Jugenddienste in den verschiedenen Ländern. Im Okt. 1968 wird in Leuenberg der Beschluss gefasst, den Ökumenischen Jugendrat Europa zu schaffen (Ecumenical Youth Councel Europe – EYCE). Die Arbeit der Jugendabteilung des ÖRK wird damit regionalisiert. Delegierte vertreten nun im EYCE nationale Jugendräte. Über die nationalen Strukturen versucht die Jugendabteilung des ÖRK, Kontakte zu ökumenisch engagierten Mitarbeiter*innen und Jugendlichen zu knüpfen.
Oktober 1969 tagt die 1. Vollversammlung, das oberste Gremium des EYCE in Bastad (Schweden). Ein 7-köpfiges Exekutivkomitee leitet den EYCE.
Von 1972-1978 ist Dietrich Gutsch Vorsitzender des Exekutivkomitees.
Ab 1972 veranstaltet der EYCE, so wie vorher die Jugendabteilung des ÖRK, punktuell Ökumenische Jugenddienste in ganz Europa.
1978 wird auf der X. Vollversammlung die volle Integration des Programms “Ökumenische Jugenddienste” in den EYCE beschlossen. Zudem gibt es per Beschluss nun einen hauptamtlichen Generalsekretär. 1. Generalsekretär des EYCE ist Giselher Hickel (1978-82). Das Büro wird von Grenoble nach Ost-Berlin (DDR) verlegt.
Von 1981-1988 ist Giselher Hickel Leiter der Dienststelle “Ökumenischer Jugenddienst”.
1989 Nach Wiedervereinigung beider deutschen Staaten wird die Dienststelle “Ökumenischer Jugenddienst” mit seinen verschiedenen Arbeitsbereichen aufgelöst. Trotz der Auflösung finden auch 1990 ÖJD-Workcamps statt, die erstmal durch den Kinder- und Jugendplan (Bundesjugendplan) gefördert werden.
1991 geht die Workcamp-Arbeit des Ökumenischen Jugenddienstes (die Ökumenischen Jugenddienste) als einziger Arbeitsbereich in die Trägerschaft der aej (Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.) über. Begründung für die Übernahme der Trägerschaft: “Die Workcamps werden auch in Zukunft wichtige Erfahrungsfelder für das Erleben ökumenischer Gemeinschaft, interkulturellen Lernens und praktischer gemeinnütziger Arbeit darstellen… .”
1995-1997 Aufgrund struktureller Veränderungen in der zentralen evangelischen Jugendarbeit richtet die aej in Berlin eine auf drei Jahre befristete Projektstelle in Zusammenarbeit mit dem damaligen Amt für Evangelische Jugendarbeit – Stadtjugendpfarramt Berlin für die Weiterführung des Workcamp-Programms “Ökumenische Jugenddienste” ein.
1998 Das Amt für Evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg ist alleiniger Träger des Workcamp-Programms. Das Workcamp-Programm ist ein Angebot für alle Landeskirchen in Deutschland.
2004 Durch Fusion der Landeskirchen Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz ist das Amt für Evangelische Kinder- und Jugendarbeit Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz neuer Träger für das Workcamp-Programm der Ökumenischen Jugenddienste.
2006 Ab Frühjahr 2006 ist das Amt für kirchliche Dienste der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Träger der Ökumenischen Jugenddienste, geregelt durch einen Kooperationsvertrag.
2020 Gründung des Fördervereins Ökumenische Jugenddienste

Gefördert werden die jährlich stattfindenden Ökumenischen Jugenddienste (Workcamps) seit 1990 über den Kinder- und Jugendplan (Bundesjugendplan). Der Bundesjugendplan wurde am 18. Dezember 1950 verkündet und unterstützt seit 1954 Workcamps in der Bundesrepublik Deutschland.

Eine Examensarbeit aus dem Jahr 1999 befasst sich mit den Beziehungen des Ökumenischen Jugenddienstes zum Ökumenischen Jugendrat in Europa (EYCE).

Freundeskreis ökumenischer Aufbaulager in Berlin und der DDR