Erfahrungsberichte/Statements von Teilnehmer*innen

Jubiläum “100 Jahre Workcamps”

  • Christoph Schnyder (Ökumenischer Jugenddienst 1949 in Le Chambon-sur-Lignon, Frankreich): Wie ich ein Workcamper wurde
    Ich war ein miserabler Schüler im Französischunterricht. Unser Prof. Haerle korrigierte unsere Arbeiten stets mit roter Tinte und erteilte Noten von 6 bis 0, beste Note 6. Jede Note unter 4 war ungenügend. Die Diktate kamen immer als rote Schlachtfelder zu mir zurück. Meine Eltern beschlossen, mich in den Sommerferien 1949 zur Familie von Pasteur Trocmé in Le Chambon sur Lignon in Frankreichs Massif Central zu schicken in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch eine Rettung gäbe. Der Zufall wollte, dass an diesem Ort zu der Zeit eines der ersten Ökumenischen Aufbaulager stattfand, an dem mein älterer Bruder Ruedi teilnahm. Er lud mich ein, ich solle doch ein, zwei Tage mitarbeiten kommen. Er habe mit der Lagerleitung gesprochen.
    Wir mussten einen Wassergraben für Leitungen in einem trocken steinigen Boden graben: eine abscheulich harte Schinderei mit Pickel und Schaufel. Ich war dankbar für den Unterbruch, den das Mittagessen schaffte, und setzte mich natürlich zu Ruedi in der großen Schar der fremden Menschen. Da dröhnte plötzlich ein lautes Lied, bei dem alle mitsangen, ein Riesenchor: „Présentation, s’il te plaît, présentation, s’il te plaît, présentation, présentation“ und alle schauten auf mich. Ruedi: „Du musst dich vorstellen!“ Ich: „Französisch?“ Er: „Natürlich.“ Was ich da gestammelt habe, weiß ich nicht mehr, auch nicht, wo und wie wir uns am Nachmittag unterhalten haben. Aber am nächsten Morgen ging es weiter mit dem Graben und Hacken. Erste Blasen an den Händen, bis Henry und sein Freund zu mir kamen. Sie schauten zu, wie ich krampfte und schienen das lustig zu finden, bis Henry freundlich und entschlossen sagte: „Tu travailles trop.“ Ich bemerkte erst jetzt, wie durch unseren Graben ein dünnes Wasserrinnsal tropfte. Sie hatten den Weg freigelegt, durch den das Wasser einen ersten Weg finden konnte, und sie freuten sich darüber: eine schöne Verheißung!
    Es war wohl diese kleine Begebenheit mitten im bunten Durcheinander von Sprachen und Menschen, von Spiel und Ernst – Das Kriegsende lag nur 4 Jahre zurück – der mir Eindruck machte. Ich meldete mich in den folgenden Jahren für Aufbaulager in Salzgitter, Hallstahammar (Schweden), Berlin, Pedra Sonora, Marseille …  an und habe dabei erfahren, dass die Breite, Länge, Höhe und Tiefe des Reiches Gottes immer noch etwas breiter, länger, höher, tiefer und manchmal auch lustiger ist, als mein Verstand und Herz es sich vorstellt.

2018

  • Eszter: „Diese zwei Wochen waren ein tolles Erlebnis für mich, ich konnte gute Erfahrungen mit der Selbständigkeit und Anpassungsfähigkeit sammeln.”

2017

  • Bence und Aliz: „In diesen zwei Wochen haben wir sehr viel Neues erlebt und erfahren. Wir haben Berlin, die deutsche Kultur und einander auch sehr gut kennen gelernt. Obwohl wir jeden Tag gearbeitet haben, hatten wir sehr viel Freizeit. Von Berlin haben wir auch sehr viel gesehen. Unsere Mannschaft war auch echt gut, ich hätte nicht erwartet, dass ich solche Freundschaften knüpfen werde. Wegen der Vielfalt beim Workcamp haben wir nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Länder besser kennen gelernt. Das Workcamp war ein fantastisches Erlebnis mit besonderen Menschen, die echte Freunde von mir geworden sind. Ich bin überglücklich, dass ich an diesem Programm teilnehmen konnte, und ich würde gerne nächstes Jahr wieder nach Deutschland zu einem Workcamp fahren”.

2016

  • Márk: „Nie hätte ich mir gedacht, dass ich meine Sommerferien in Deutschland verbringen werde. Eine Fahrt ins Blaue? Nein, das wäre nicht ich. Oder kann nicht sein. Ja, es klingt so, weil ich mich eigentlich „aus Versehen” dafür angemeldet habe. Warum? Ich hatte keine bessere Alternative als zwei Wochen als Freiwilliger für eine ökumenische Organisation zu arbeiten. Entweder wäre ich zu Hause geblieben oder ich hätte eben versucht frische Luft zu schnappen. Ach so, die frische Luft ist Deutschland geworden. Ja, zum Schluss habe ich nicht mehr viel mitzuteilen. Ich bin glücklich darüber, dass ich diese Entscheidung endlich getroffen habe und diese Chance nicht verpasst habe.

2014

  • Peter: „Ich kann die zwei Wochen, die wir in Deutschland verbracht haben, als die besten zwei Wochen meines Lebens bezeichnen. Für mich persönlich war das größte Erlebnis, dass die Campleiter mich gefragt haben, ob ich nächstes Jahr auch Campleiter werden möchte. Ich habe mich nicht lange gezögert, es ist schließlich eine tolle einmalige Möglichkeit. Ich bin sehr dankbar für alles, für die neuen Freundschaften, dass ich meine Sprachkenntnisse erweitern konnte, dass ich die Welt aus einer neuer Perspektive sehen kann. In der Zukunft werde ich sicher noch an solchen Camps teilnehmen, vielleicht als Campleiter”.

2013

  • Szilvia: „Ich habe sehr nette und interessante Menschen kennen gelernt, die ihre eigene Kultur präsentierten. Das einzige Problem war die Kürze der Zeit. Nächstes Jahr möchte ich unbedingt ein solches Camp besuchen, aber wenn es möglich ist, für einen längeren Zeitraum. Ich kann es allen nur empfehlen.“
  • Bence: „Um mal paar Stichwörter zu nennen: Zwei Wochen, aber ein Erlebnis für die Ewigkeit. 16 Jugendliche aus verschiedenen Ländern, aber am Ende wie Geschwister. 14 Tage alte Bekanntschaften, aber die sich so anfühlen wie Freundschaften von der Kindheit an. Ein unbekannter Ort, der zu unserer neuen Heimat wurde.“

2012

  • Júlia: „Wir haben Landschaftspflege betrieben, in Friedhöfen und an einem ehemaligen Stasi – Bunker Unkraut gejätet. An den Tagen, an denen wir nicht gearbeitet haben, haben wir unter anderem Leipzig besichtigt, den Zoo besucht und einen Ausflug in die Sächsische Schweiz unternommen. Auch Kirchenbesuche und geistliche Stunden gehörten zum Programm. Am Abend gab es Disco. Ich wäre am liebsten da geblieben, für immer.“
  • Bence: „Die besten zwei Wochen in meinem Leben, die ich im Ausland verbracht habe.“
  • Ingrid: „Obwohl es am Anfang schwer war sich zu verständigen, weil einige nur Deutsch und einige nur Englisch konnten, war es zum Glück ab dem dritten, vierten Tag bereits kein Problem, und alle konnten sich miteinander verständigen, so sind sehr gute und (hoffentlich) dauerhafte Freundschaften entstanden.“
  • Ákos: „Alle dachten, dass das gegenseitige Kennenlernen schwer wird. Aber dank unseren Teamleiterinnen war es einfach, nicht zuletzt durch die Spiele konnten wir die Namen schnell lernen, und über die Gespräche, die bis 1 und 2 Uhr in der Nacht gingen, sowie die gemeinsame Arbeit, die Persönlichkeit des Anderen kennen lernen. Aus vielen Ländern kamen die Leute (unsere Kameraden) her, zum Beispiel aus Litauen, Polen, Serbien, Tschechien, aus der Ukraine und natürlich aus Deutschland. Aber es gab keine Probleme wegen der unterschiedlichen Sprachen, alle konnten Englisch und unterschiedlich auch Deutsch. Aber wir haben natürlich auch zum Beispiel tschechische und ukrainische Begriffe gelernt wie sie ungarische.“